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Leise Töne hört man schlecht

Leise Töne hört man schlecht

Ich habe dieser Tage immer wieder den Eindruck die Ereignisse würden sich überschlagen. Man kommt mit Erstaunen, Wut, Ärger, Entsetzen kaum noch hinterher.

Waren wir alle völlig geschockt von der Entscheidung der Briten die EU zu verlassen, schockiert uns Trump seit seinem Amtsantritt fast täglich. Die orange Witzfigur muss schon aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen, damit wir erschrocken aufhorchen. Die kleineren Skandale erschrecken uns gar nicht mehr.

Make our planet great again

Dieser Zustand ist weder erstrebenswert noch gut. Bleibt uns doch kaum noch Zeit, genau hinzusehen und alles zu verstehen. Aber erst mal zu diesem Klimaabkommen: Hier sollte man wissen, dass dieses Abkommen von 195 Ländern dieser Erde unterzeichnet wurde. Mit diesem Abkommen verpflichten sich alle Staaten, die menschengemachte Erderwärmung zu begrenzen und alles dafür zu tun, diesen Prozess zu verlangsamen oder wenn möglich aufzuhalten. Bis gestern waren die einzigen beiden Länder, die dieses Abkommen nicht unterzeichnet haben, Nicaragua und Syrien. Syrien ist seit Jahren von einem abscheulichen Krieg gebeutelt und hat derzeit andere Sorgen. Und Nicaragua ist eines der ärmsten Länder der Welt. 2005 lebten dort 80% der Bevölkerung von unter zwei Euro am Tag, 45% sogar von weniger als einem Euro. Zum Vergleich, in Deutschland hat ein Harz4 Empfänger ca. 13,60 Euro pro Tag zur Verfügung.

Fassungslos starren wir über den Teich

Zu diesen beiden Ländern, die bisher das Pariser Klimaabkommen nicht unterzeichnet hatten, gesellen sich seit gestern die USA. Von einer Weltmacht will ich hier gar nicht mehr sprechen, trotzdem sind die USA der drittgrößte Staat der Erde, gemessen an seiner Fläche und der Zahl der Einwohner. Bäm! Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen. Fassungslos starren wir über den Teich.

Aber ich möchte an dieser Stelle trotzdem etwas sagen. Und zwar etwas, was nur bedingt mit diesem einen Ereignis zu tun hat, gilt es doch für alle Ereignisse, mit denen wir nicht einverstanden sind.

Schmelzendes Gletschereis und Pinguin-Fleisch

Und so extremer die Ereignisse, so prominent unsere Vorbilder. Habe ich heute doch mehr als herzlich gelacht und eine gewisse Wärme im Herzen gespürt, als ich den satirischen Beitrag des US-amerikanischen Eishersellers Ben & Jerry’s gelesen habe. Denn dort wird ganz klar Stellung zum Ausstieg der USA bezogen. Heißt es doch unter anderem: „6 tolle Gründe aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen“ und weiter „Wenn also aufgrund des Klimawandels der Anbau von Kakaobohnen und Vanille nicht mehr möglich sein sollte, ist es uns ziemlich egal. Wir nehmen dann einfach andere Zutaten…schmelzendes Gletschereis, Pinguin-Fleisch und menschliche Verzweiflung. Klingt doch lecker!“

We are disappointed

Auch der Cloud-Computing-Anbieter Salesforce bezieht klar Stellung, wenn auch sachlicher. „We are disappointed by the Administration’s decision to withdraw from the Paris Agreement…“. Gründer Marc Benioff ist seit vielen Jahren dafür bekannt, dass er seinen Einfluss, sein Vermögen und seine Wirtschaftskraft dafür nutzt, sich für unseren Planeten und „das Gute“ einzusetzen. So hat er beispielsweise Millionen aus seinem Privatvermögen für das Projekt „The Ocean Cleanup“ gespendet. Sein Unternehmen, Salesforce, investiert 1% seines Ertrages, 1% seiner Produkte und 1% der Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter in gemeinnützige Zwecke.

Der französische Präsident, Emmanuel Macron, findet ebenfalls klare Worte. Er hält seine Rede sogar auf Englisch, was wohl die Wichtigkeit unterstreichen soll, und kontert Trump mit den Worten „make our planet great again“.

Wir müssen lauter werden!

Und ich finde wir sollten daraus etwas lernen. Wir sollten uns ein Beispiel nehmen. Denn ja, die Zeiten sind turbulent, aber nein, die Welt wird deswegen nicht sofort untergehen. Und es gibt mehr vernünftige Menschen, als wir glauben. Wir nehmen das nur anders wahr, weil die Unvernünftigen, die Verschwörungstheoretiker, die Hasserfüllten bisher lauter waren. Aber dagegen können wir etwas tun. Wir können auch lauter sein. Die hier genannten Beispiele zeigen bereits, dass etliche einflussreiche Menschen verstanden haben, dass man vielen Dingen nicht mehr einfach zusehen kann. Dass man aufstehen und widersprechen kann, wenn man mit etwas nicht einverstanden ist. Und das sollten wir alle tun, denn wir sind mehr, wir sind laut und wir können diesen Planeten retten!

#oneLove